Kinder und ihre Entwicklung

Wenn Sie ihr Kind so anschauen, während es gerade nach einem Stift greift und gerade an der weißen Wand ansetzen will zum Malen, was denken Sie sich da? Und was denken sie, denkst sich das Kind? Es ist ein und dieselbe Situation. Doch das Erleben und die Wahrnehmung sind zu 100% unterschiedlich. In Millisekunden läuft in Ihrem Kopf ein Kino ab, was passiert, wenn und was es für Folgen hat. Und beim Kind? Das Kind ist in dem Moment genau im Jetzt. Es ist bei dem Stift und voller Neugier zu entdecken, was passiert, wenn… Wie geht es aus? Nun ja. Darauf kommen wir später zurück.

Nehmen Sie wahr, dass die Welt des Kindes aus den Augen des Kindes gesehen wird. Durch seine eigene Brille. Und die Welt der Eltern, aus jeweils deren.

So wie jedes Kind die Welt unterschiedlich sieht, erlebt und entdeckt es diese auf eine ganz unterschiedliche Weise. Eltern neigen oft dazu, ihre Kinder in ihre Entwicklung zu puschen. Sie vergleichen das Erstgeborene mit dem Zweitgeborenen, mit den Nachbarskindern, mit den Vorgaben der Kinderärzte usw. Dabei ist es so, als ob Sie Äpfel mit Birnen vergleichen würden. Selbst Geschwister oder eineiige Zwillinge entwickeln sich auf ihre ganz persönliche individuelle Art und Weise. Und es hat nichts damit zu tun, ob Sie sich bei dem ersten Kind mehr Mühe gegeben haben und beim zweiten nicht.

Wir werden mit allen unseren persönlichen Stärken und Fähigkeiten bereits geboren. Wir tragen alles bereits in uns. Der Wunsch nach Weiterentwicklung ist für uns Existenziell. Sie brauchen ihre Kinder nicht dazu zu drängen, etwas zu erlernen. Das Kind wird es von alleine tun, jedoch auf seine ganz eigene persönliche individuelle Art und Weise und in seiner Geschwindigkeit. Weil es zum Lauf des Lebens gehört. Das Sprechen und das Laufen. Den Löffel halten und sich anziehen. Sie können es sich so viel leichter machen, wenn sie das Kind in seiner Entwicklung nur begleiten, ihm die nötige Sicherheit gewährleisten und genug Raum geben, sich zu entfalten.

Greifen die Eltern zu viel in diese Prozesse ein, kann es für die Kinder in ihrer weiteren Entwicklung problematisch werden. Sie geraten ins Ungleichgewicht, verlieren den natürlichen Bezug zu sich selbst und bilden einschränkende Glaubenssätze.

„Dein Bruder ist 2 Jahre junger als du und kann das schon“

„Du bist doch schon 4 Jahre alt. In dem Alter gehen alle Kinder schon alleine schlafen“

„Spreche langsamer“, „Sag Rrrroller, nicht LLoller“, „Du musst jetzt Laufrad fahren lernen“, „Du bist schon Vorschulkind. Solltest langsam das Alphabet kennen“ usw.

Kinder würden niemals hinterfragen, was die Eltern denen sagen. Denn in ihrer Welt sind die Eltern immer wohlwollend, allmächtig und allwissend. Was passiert nun hier?

Die Entwicklung der Persönlichkeit

Solche Erfahrungen sind Prägend für das gesamte weitere Leben des Kindes. Natürlich wollen alle Eltern, dass ihre Kinder sich zu selbstbewussten, verantwortungsbewussten und glücklichen Menschen entwickeln, dabei kann keiner sagen, wie das geht. Was ist richtig? Und was ist falsch? Nun, es gibt kein Richtig oder Falsch. Eltern erziehen ihre Kinder so, wie sie erzogen worden. Denn ihre eigene Kindheit war ihre Schule, in der sie die Erziehung beigebracht bekommen haben. „Ich werde auf gar keinen Fall so sein wie meine Mutter!“, „Meine Kinder werden anders aufwachsen“. Ja, das denken viele. Doch WIE wir in verschiedenen Situationen als Eltern reagieren, die wir in unserer Kindheit erlebt haben, das können wir meist nicht beeinflussten. Denn der Grundstein für unser Verständnis für diese Welt, ist bereits in den ersten 8 Lebensjahren festschrieben. Bis zum 20 Lebensjahr, wird noch nachjustiert und vielleicht etwas nachkorrigiert, aber danach Leben wir unseren Film nach dem Skript, den wir als Kind geschrieben haben.

In unserer Gesellschaft werden die Kinder schlicht weg von Geburt an überfordert. Mit 6 Monaten muss es sitzen. Mit 1 Jahr laufen. In der Kita das liebste Kind sein. Mit 3 alleine schlafen, kein Schnuller und keine Windeln haben. Mit 4 wird verabredet wie in der Singlebörse. „Soziale Kontakte sind wichtig“. Und die Hobbys nicht zu vergessen. Zwei bis drei Mal in der Woche wird einer Aktivität nachgegangen. Mit 5 Schreiben und Rechnen gelernt. Doch wo bleibt das Kind? Was will das Kind?

Das Kind will spielen! Am liebsten mit Mama oder Papa. Der Rest entwickelt sich von ganz alleine Sprüht das Kind, dass seine „Basis“ „Seine Insel“ sicher ist und dass es nicht befürchten muss, dass sein System zusammenbricht, dann wird es sein Potenzial automatisch weiterentwickeln. Wenn Eltern den Kindern erlauben, sich aus sich selbst heraus zu entwickeln, weil sie sich selbst vertrauen, werden sie ihnen die Freiräume zugestehen können, die die Kinder zu einer gesunden Entwicklung brauchen.

Was braucht denn nun das Kind um sich auf eine gesunde Art und Weise zu entwickeln?

  • Gesunde Ernährung
  • Sichere äußere Umgebung
  • Unterstützende Hand der Eltern
  • Zuneigung und Vertrauen der Eltern und
  • Freiraum, in dem es sich ausprobieren kann

Zur Entwicklung gehört jedoch nicht nur das Laufen lernen und sich anziehen können, sondern auch die Werte wie Ordnung, Pünktlichkeit, Höflichkeit, Sauberkeit, angemessene Ausdrucksweise usw. „Sag Bitte, sag Danke“, „Entschuldige dich“. Bekommen die Kinder es von den Eltern immer wieder gepredigt, machen sie es irgendwann auch, doch den Sinn dahinter verstehen sie frühestens ab dem 4-5 Lebensjahr. Das Verstehen, warum, sie es sagen, ist eine Sache. Zu fühlen, warum es wichtig sein könnte, eine andere.

Sie kennen wahrscheinlich den Spruch, Kinder leben in der Nachahmung. Im NLP würden wir es Modellieren nennen oder pacen. Das bedeutet, dass wir unser Verhalten gegenseitig kopieren. Hier fühlen wir uns in die Situationen und Personen rein. Wir würden niemanden pacen oder modellieren wollen, den wir nicht mögen. Zumindest nicht ohne weiteres. Kinder modellieren ihre Eltern durchgehend. Vielleicht haben sie es schon Mal erlebt, dass ihr Kind auf einmal dieselbe Ausdrucksweise benutzt wie Sie oder die Hände auf die gleiche Art und Weise faltet wie sie. Zwinkert oder pfeift wie sie. Das ist Modellieren. Was bedeutet das im Endeffekt: Alles was die Eltern machen und wie sie sich Verhalten, wird von den Kindern nachgeahmt. Selbst Gefühle können Kinder nachahmen. Sind sie höfflich und sagen immer bitte und danke, dann werden es die Kinder automatisch tun. Sind sie ordentlich und räumen immer ihre Sachen hinter sich auf, dann werden es auch die Kinder tun. Sie modellieren ihre Werte. Wichtig ist jedoch hier zu erwähnen, dass Kinder auch ihre eigenen Werte haben. Werte die sie im Laufe ihres Daseins für sich als wichtig abgestempelt haben. So kann es sein, dass ihr Kind einen Wert wie Ordnung zwar von Ihnen lernt, jedoch einen anderen Wert wie z.B. Freizeit in seiner Prioritätenliste weiter nach oben setzt. Vor allem wenn die Kinder älter werden, kapseln sie sich immer mehr als Individuum von den Eltern ab. Bis ca. 3 Jahren sind sie mehr wie Egomanen. Sie sehen nur sich selbst und nehmen auch nur sich selbst wahr. 4-8 Jahre nehmen sie sich und die Umwelt immer zunehmend wahr. In dieser Zeit entwickeln sie auch ihren eigenen Willen, ihre Stärke, ihre Werte und Bedürfnisse. Und es wird höchstwahrscheinlich so sein, dass sie nicht zu 100 % mit Ihren übereinstimmen, denn das Kind ist ein einzigartiges Individuum.